»Streber!« – Fünf Anregungen,
damit gute
Leistungen nicht zum Problem werden
1. Positive Bewertung guter Leistungen – keine
Vorurteile gegenüber guten Schülern!
- Positiv sind doch Eigenschaften wie: Neugierde, Interesse,
Wissensdurst, Freude am Lernen, Fleiß, gute Auffassungsgabe, gutes
Methodenwissen, Begeisterung für schulische Inhalte. Was ist daran
verwerflich, wenn dabei gute oder sehr gute Noten herausspringen?
- Gute und sehr gute Leistungen in der Schule
schließen nicht aus: soziales und faires Verhalten, die Fähigkeit,
Freundschaften zu schließen, sportliches, musisches oder kulturelles Engagement,
Spaß an der Freizeit
- Negativ sind doch nur: zwanghafter Ehrgeiz, Streben
nach guten Noten um ihrer selbst willen, Überbewertung guter Noten, Schleimen
oder Sich-Anbiedern, Unredlichkeit bei der Erreichung guter Noten,
Angeberei bzw. Abwertung der Leistungsschwächeren
2. Schlagfertige (klärende oder entwaffnende)
Antworten auf den Streber-Vorwurf:
- »Glaubst du, dass die Notengebung ungerecht ist?«
- »Soll ich dem Lehrer verbieten, mir gute Noten für
meine Leistungen zu geben?«
- »Wer gute Noten bekommt, ist doch nicht automatisch
ein Streber!«
- »Findest du es fair, mich wegen guter Noten
schlecht zu machen?«
- »Du würdest dich über eine gute Note doch auch
freuen, warum sollte ich mich nicht ebenfalls freuen dürfen?«
- »Wenn du mir einen Augenblick zuhören magst, verrate
ich dir den Unterschied zwischen mir und einem Streber.«
- »Warum stört es dich, dass ich eine gute Note
erhalte?«
- »Welchen Nachteil hast du davon, wenn ich eine gute
Note bekomme?«
- »Bin ich nur deshalb für dich ein Streber, weil mir
das Lernen etwas leichter fällt?«
·
»Wenn du willst, könnten wir auf die nächste
Arbeit gemeinsam lernen.«
Vorsicht:
Oft macht der Ton die Musik! Solche oder ähnliche Antworten dürfen
selbstbewusst vorgetragen werden, sollten aber nicht arrogant wirken oder
verletzen!
3. Tipps für Schülerinnen und Schüler:
- Lass dir nicht die Freude an der Schule und am
Lernen verderben! Bedenke, dass der Vorwurf der Streberei in den meisten
Fällen aus Neid und Missgunst erwächst, also weder gerecht, noch tolerant,
noch fair ist.
- Sei selbstbewusst, weil du etwas weißt und kannst.
Aber werde deshalb nicht überheblich.
- Freu dich über deine Leistung, weniger über die
Note.
- Bleibe gelassen. Kämpfe nicht verbissen um gute
Noten und akzeptiere es, wenn eine Note einmal nicht so positiv ausfällt.
- Verheimliche weder deine Noten noch deinen Weg zu
guten Noten zu gelangen; geh offensiv damit um, dass dir Schule Spaß macht
und dass dir das Lernen leicht fällt.
- Vernachlässige wegen des Lernens nicht deine
sozialen Beziehungen: Suche und erhalte Freundschaften!
- Nimm dich im Unterricht auch einmal zurück; bring
dich aber ein, wenn dein Beitrag gefragt ist um den Unterricht voranzubringen.
- Sorge selbst für eine angemessene Balance zwischen
Lernen, Sport, Hobbys und sozialen Kontakten.
- Sei hilfsbereit. Sei hilfsbereit. Sei hilfsbereit!
Aber dränge deine Hilfe niemandem auf!
- Sprich Mitschüler, die den Strebervorwurf erheben,
direkt an (vgl. Nr. 2). Friss Ärger und Kummer nicht in dich hinein. Ziehe
nicht die falschen Konsequenzen!
- Wichtig ist vor allem, dass du mit dir selbst im
Reinen bist: Kannst du positiv zu deiner Leistung stehen, empfindest du deine
Noten als gerecht und angemessen?
- Falls du als Nicht-Betroffener beobachtest, wie ein
Mitschüler wegen guter Noten als »Streber diffamiert wird: Schalte dich
ein, mahne zur Fairness!
4. Tipps für Eltern:
- Stärken Sie Ihr Kind in seinem Leistungswillen,
ermutigen Sie es, sich zu seinen Leistungen zu bekennen.
- Verstärken Sie aber nicht das Problem ihres Kindes,
indem Sie Ihren eigenen Ehrgeiz auf ihr Kind projizieren oder selbst zu
viel Stolz auf die Leistungen Ihres Kindes zeigen.
- Thematisieren Sie gegebenenfalls die Diffamierung
von leistungsstarken Schülern als »Streber« auf dem Elternabend, machen
Sie deutlich, dass diese oft unreflektierten Vorurteile leicht in Mobbing
übergehen können.
- Achten Sie darauf, dass Ihr Kind keine unnötige
Angriffsfläche für den Strebervorwurf bietet.
- Ermuntern Sie Ihr Kind, Mitschüler einzuladen;
achten Sie als Eltern auf eine angemessene Balance zwischen schulischer
Leistung und leistungsfreier Freizeitgestaltung.
5. Tipps für Lehrerinnen und Lehrer / für
Schulen:
- Stellen Sie in der Klasse weniger die guten
Leistungen, als vielmehr das soziale Verhalten heraus.
- Vergleichen Sie vor der Klasse nicht schwächere mit
stärkeren Schülern.
- Bevorzugen Sie Unterrichtsformen, bei denen die
besseren Schüler mit schwächeren ein Team bilden; dies erfordert
allerdings Umsicht und Fingerspitzengefühl, damit beide Seiten die
Zusammenarbeit akzeptieren können.
- Achten Sie bei der Unterrichtsbeteiligung auf ein
ausgewogenes Verhältnis, auf eine breite Streuung bei der Mitarbeit.
Bevorzugen Sie niemals einseitig die leistungsstarken Schüler – auch nicht
mit der Begründung, so schneller im Stoff vorankommen zu können.
- Erarbeiten Sie für Ihren Unterricht Regelungen für
faires Verhalten, in denen es um die Akzeptanz leistungsstarker wie
leistungsschwacher Schüler geht; behandeln Sie auch die Aspekte »Selbstbewusstsein«
und »Zivilcourage« und zeigen Sie auf, wie Mobbing entstehen kann.
- Diskutieren Sie die Problematik im
Unterricht, auf Pädagogischen Tagen und in Lehrerkonferenzen; verankern
Sie einen positiven Leistungsbegriff im Leitbild Ihrer Schule.
Es kann für alle Beteiligten nur von
Vorteil sein,
wenn sich (sehr) gute Schüler mit ihren
Leistungen
konstruktiv und sozial in den Unterricht
einbringen dürfen,
ohne wegen ihrer Leistungen als Streber abgestempelt
zu werden.
Das Gebot der Fairness hat Vorrang vor
allen anderen Überlegungen!
Stand:
September 2006 (nach Beratung mit der Ethikgruppe in Klasse 11 und anderen
Schülern)