Der Radikaldemokrat Schütz



Bereits in der
Revolution von
1848/49
wurde das
Recht auf Arbeit
leidenschaftlich
diskutiert.
In dieser
engagierten
Rede von
Jacob Friedrich
Schütz.











Zurück zur ...
Übersicht

Aus einer Debatte in der Paulskirche (8./9. Februar 1849):

Meine Herren! Während wir hier an dem künftigen Staatsgebäude arbeiten, stürzt das soziale Gebäude in Deutschland überall zusammen. Täglich kommen Verlangen auf Änderungen in den sozialen Verhältnissen, auf Schutz für Handel und Gewerbe. Die Einen verlangen Freihandel, die Anderen Schutzzölle, die Einen verlangen wieder Herstellung der früheren Zustände des Mittelalters, sie verlangen die Zünfte, die Andern verlangen eine vollkommene Gewerbefreiheit. Offenbar beweisen alle diese Ansprüche an die Nationalversammlung, dass außer den bloß politischen Rechten, es andere Bedürfnisse zu befriedigen gibt in unserem Vaterlande. Kommen Ihnen nicht täglich in allen Verlangen, in allen Petitionen Ausdrücke des Übels, das überall an der Gesellschaft nagt, vor?
Allerdings wäre es die größte Ungerechtigkeit, leugnen zu wollen, dass die Herrschaft der Bürgerklasse, die Herrschaft des Kapitals Großes und Herrliches geschaffen hat; aber neben dem Großen liegt auch unendlich Trauriges, und wenn wir in einem Staate nur einen Menschen sterben sehen, weil er nicht die Mittel des Lebens durch Arbeit finden kann, so ist das das Todesurteil einer solchen Gesellschaft. Wir verlangen in unserm Antrag, dass dem unfreiwillig Arbeitslosen von der Gemeinde und beziehungsweise vom Staat die Arbeit gesichert werde.
Es ist das, wie es hier genannt wurde, das berüchtigte Recht auf Arbeit. Ich aber sage: das heilige Recht auf Arbeit, was ich durch die Aufnahme dieses Artikels in unserer Verfassung erstrebe, das ist der Beginn einer neuen Epoche, die Möglichkeit, dass der Staat, der früher Militärstaat, Priesterstaat oder bloß königlicher Staat war, der nun bloß Geldstaat ist, dass die menschliche Gesellschaft endlich werde, was sie sein soll, d. h. eine Gesellschaft von Arbeitern, eine Gesellschaft, welche jedem Menschen die Möglichkeit eröffnet, durch Anwendung seiner geistigen oder physischen Fähigkeiten den seiner Tätigkeit gebührenden Gewinn zu finden.
Das ist für mich das Recht auf Arbeit und nicht die Unterstützung der Faulheit, nicht die Aufforderung an den Arbeiter, an den Staat höhere Forderungen zu stellen, als sie ihm die Privatindustrie geben kann das können Sie nicht leugnen, dass in die Gegenwart ein neues Prinzip eingetreten ist. Sie können es verfolgen, Sie können es aber nicht vernichten; gegen eine Idee kämpft man nicht mit Kanonen, eine Idee streckt man nicht nieder durch den Ausspruch eines Kriegsgerichtes; je mehr man sie verfolgt, desto kräftiger, desto größer wird sie.
Es bleiben nur zwei Mittel übrig, entweder eine friedliche gesetzliche Entwicklung des neuen Gedankens oder die Revolution.