Stefan Heym (1979)



Lange vor der
friedlichen Revolution
appelliert Heym hier
an das Gewissen
seiner Kollegen
in der DDR.









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Übersicht

1979 auf dem Schriftstellerkongress der DDR:

Die Mitglieder des Berliner Schriftstellerverbandes, soweit hier anwesend, werden heute abstimmen müssen über den Ausschluss einiger ihrer Kollegen. Wir alle wissen, dass viele von Ihnen vor dieser Versammlung zusammengerufen und unter Disziplin genommen wurden. Wir alle wissen, was für den einzelnen von seinem Votum abhängen mag: Westreisen und Stipendien, Auflagen und Aufführungen, Verfilmungen und Preise aller Art. Ich werde es keinem übel nehmen, wenn er in Erwägung solcher Vorteile für meinen und der anderen Kollegen Ausschluss stimmt.
Aber ich gebe Ihnen auch zu bedenken: Neben denen, die dann das Abzählen besorgen werden, sieht noch einer zu, wie Sie heute abstimmen - die Öffentlichkeit. Man mag fragen, was ist das schon, der Herausschmiss von ein paar Leuten aus einer Organisation.
Aber es gibt Momente in der Geschichte, wo auch etwas an sich Geringfügiges wichtig sein kann, und es wäre ja möglich, dass eines Tages Ihre Söhne und Töchter sich bei Ihnen erkundigen werden - und nicht nur Ihre Söhne und Töchter, auch die Bürger der Republik:
Wie habt ihr euch damals verhalten, Meister des Wortes, als es darauf ankam, sich zählen zu lassen?