Eine alte Kulturtechnik ist in den letzten Jahrzehnten allmählich aus der Übung gekommen und damit in Vergessenheit geraten: das selbstständige Mitschreiben im Unterricht. Deshalb hier einige Anregungen zum Anfertigen hilfreicher Mitschriften.
Warum?
Wer im Unterricht, besonders bei
Schülerreferaten und Lehrervorträgen, aber auch beim Betrachten eines Films mehr
verstehen, lernen und behalten möchte, sollte mitschreiben. Durch diese alte
Technik zwingt man sich selbst zum genaueren Zuhören, zur Unterscheidung von
Wesentlichem und Unwesentlichem und damit zur besseren Konzentration. Außerdem
erhält man so Anhaltspunkte, um gezielt nachfragen oder sich am Unterricht beteiligen
zu können. Was auf diese Weise während der Unterrichtszeit erarbeitet wird,
muss nicht mühsam am Nachmittag oder vor der nächsten Klassenarbeit nachgelernt
werden. Kleiner Nebeneffekt beim Mitschreiben: Man zeigt Respekt vor dem
Referenten und Interesse an der Sache!
Was?
Wenn der Referent seine
Gliederungspunkte ankündigt oder eine Übersichtsfolie auflegt, so gibt er damit
Hilfestellungen für die Mitschrift. Grundsätzlich lohnt es sich, Visualisierungen
(Tafelanschriebe, Folien, Pinnwände usw.) aufzunotieren, da sie zumeist bereits
das Wesentliche des Vortrags enthalten und damit den Mitschreiber entlasten.
Zu Beginn der Mitschrift werden
das Thema und die dazu gehörenden Fragestellungen (Aspekte) aufnotiert, im
weiteren Verlauf dann die entsprechenden Antworten. Hilfreich ist es, wenn der
Mitschreiber Oberbegriffe bildet und diesen die Fakten zuordnet. So lässt sich
die gedankliche Struktur besser nachvollziehen.
Mitgeschrieben wird in der Regel,
was persönlich interessiert, was für die Unterrichtseinheit relevant ist oder
was in Klassenarbeiten abgefragt werden könnte. Dazu gehören auch alle neuen
Informationen und Einsichten.
Wie?
Wenig sinnvoll ist es, gleich
Hals über Kopf mitzuschreiben. Denn dabei besteht die Gefahr, dass man sich in
Details verliert und mit dem Schreiben nicht mehr nachkommt. Für die gelungene
Mitschrift gilt: Qualität vor Quantität! Also erst einmal in Ruhe zuhören, das
Thema erfassen und sich dann auf das Wesentliche konzentrieren. Ob man in
Stichworten oder ganzen Sätzen mitschreibt, hängt vom persönlichen Stil und von
der Schreibgeschwindigkeit ab. Auf jeden Fall sollte man aber den Mut haben, sinnvolle
Abkürzungen und Symbole sowie ausdrucksstarke Kurzsätze zu verwenden.
Wer sein Blatt großzügig
einteilt, gewinnt Freiräume für nachträgliche Ergänzungen. Bei der Überarbeitung
lassen sich wichtige Begriffe unterstreichen sowie Lern-Fakten und Lern-Daten
einrahmen. Übersichtlicher wird das Blatt, wenn man zur Kennzeichnung von
Besonderheiten auch Farben verwendet (z. B. Grün für »Beachten!« und Rot für
»Vermeiden!«). Am Ende der Mitschrift sollte Platz sein für offene Fragen oder
für Hinweise zur Vertiefung.