Lexikon der Fachbegriffe

Allgemeine Rhetorik

Affekte
Du-Orientierung
Gestik
Mimik
Redepult
Sach-Orientierung
Schluss-Satz
Stil
Visualisierung
Vorredner
Zuhörer

Argumentationslehre

Argument
Aspekt
Botschaft
Logik
Manipulation (faule Tricks)
Populismus
Relevanz
Sprechakt
Struktur
Überreden/Überzeugen
Wahrhaftigkeit

Lateinische Wendungen

aptum
audiatur et altera pars
brevitas
captatio benevolentiae
certum / dubium
delectare
dispositio
docere
movere
septem artes liberales
tua res agitur

35 Fachbegriffe anschaulich erklärt im »Kleinen Lexikon der Argumentation« (S. 48 ff. in der Schule der Rhetorik)

Über 100 Fachbegriffe von Affekte bis Zielsatz systematisch erklärt im »Lexikon der Fachbegriffe« (Kap. 6 in der Praktischen Rhetorik)




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Affekte


Gefühle, die durch Argumentation und Sprechweise, aber auch durch Auftreten und Körpersprache des Redners beim Zuhörer erzeugt werden. Nach antiker Auffassung ist das Erregen von Affekten ein legitimes Mittel, um die Meinung der Zuhörer für sich zu gewinnen oder gegen den Standpunkt der Gegner aufzubringen.
Das gemäßigte »ethos« (glaubwürdiges Auftreten und gefällige Formulierungen) und das heftigere »pathos« (ausdrucksvolle Mimik und Gestik sowie besonders wirkungsvolle Formulierungen, die die Zuhörer mitreißen, erschüttern oder entsetzen sollen) gelten neben der Argumentation (»logos«) als wichtige Mittel der Überzeugung.
Vgl. hierzu auch Aristoteles und Cicero.

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aptum


»Angemessenheit« ist das grundlegende Prinzip der Rhetorik, das das richtige Verhältnis zwischen den einzelnen Elementen der rhetorischen Situation regelt. Gemeint ist der in sich stimmige Zusammenhang bzw. das ausgewogene Verhältnis zwischen

- Anlass, Zeit, und Ort der Rede,
- Thema, Redner und Zuhörer
- Wirklichkeit und Redetext

Neben diesem »äußeren Aptum« bedeutet Angemessenheit auch, dass die einzelnen Teilen der Rede, vor allem aber Inhalt und sprachlichem Ausdruck (Stil) in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen (»inneres Aptum«).

Das richtige Erfassen der rhetorischen Situation ist notwendige Voraussetzung für das Gelingen von Angemessenheit. Aufgabe des Redners ist es, vor der Ausarbeitung der Rede das Verhältnis zwischen Anlass, Thema und Zuhörer (Zielgruppe) richtig zu beurteilen und entspechende strategische Vorüberlegungen anzustellen (consilium). Ist die Rede ausformuliert, dann gehört es zur Angemessenheit, die Ausgewogenheit der Redeteile und den Stil einzuschätzen (iudicium) und gegebenenfalls zu korrigieren.

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Argument


Was als Begründung, Beweis oder Rechtfertigung für die eigene These hervorgebracht wird. Gute Argumente sind haltbar, also relevant, logisch und für die Zuhörer plausibel. Der Fachbegriff »Argument« (argumentum) findet sich im rhetorischen Sinne erstmals bei Cicero: »Argument ist der Grund, der einer zweifelhaften Sache Glaubwürdigkeit verschaffen soll«. (argumentum = ratio, quae rei dubiae faciat fidem). Und Habermas definiert: »Ein Argument ist die Begründung, die uns motivieren soll, den Geltungsanspruch einer Äußerung anzuerkennen.« Ausführlich im dritten Kapitel der Schule der Rhetorik; vgl. hierzu auch Cicero und Quintilian.

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Aspekt


Gesichtspunkt, unter dem ein Thema betrachtet wird, Argumente gesucht und gefunden werden oder ein Problem (Streitfrage) erörtert wird. Der Aspekt lässt sich auch in Form einer das Thema eingrenzenden oder genauer umreißenden Fragestellung ausdrücken. Wichtige Aspekte sind beispielsweise der soziale, der juristische, der ökonomische oder der ethische Aspekt. Auf der Suche nach Argumenten ist neben der Orientierung an Aspekten auch die Orientierung an Perspektiven (Argumente aus der Perspektive der Handelnden / Betroffenen, der Jüngeren / Älteren, der Ärmeren / Reicheren usw.) ein ergiebiges Mittel.

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Audiatur et altera pars


»Auch der andere Teil möge gehört werden.« Wichtiges Prinzip des Rechtswesens, das auch Grundlage eines demokratischen Rhetorikverständnisses ist: Immer muss auch die Gegenseite das Recht haben, zu Wort zu kommen. Das Recht der Gegenseite bzw. der Zuhörer, sich zu einer Rede zu äußern, gehört konstitutiv zum Wesen der Rhetorik. Rhetorische Grundüberzeugung geht davon aus, dass in einer kontroversen Redesituation beide Seiten der Wahrheit (zumindest der besseren Entscheidung) zum Sieg verhelfen - auch die schließlich (z. B. durch eine Abstimmung) unterlegene Seite hat Anteil an der Lösung. Ist die Rede- und Meinungsfreiheit der Zuhörer oder der Gegner nicht garantiert, besteht die Gefahr, dass Rhetorik zur Propaganda verkommt. Im 20. Jh. formulierte Rosa Luxemburg hierzu: »Freiheit ist immer nur Freiheit des anders Denkenden.«

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Botschaft


In der Rhetorik der Hauptgedanke bzw. die zentrale Aussage einer Rede. Botschaften müssen nicht vom Redner explizit formuliert werden, sie können auch aus den Worten des Redners erschlossen werden. Die Botschaft geht über die einzelnen Informationen, die in der Rede enthalten sind, hinaus. Im Idealfall treffen in der Botschaft das wesentliche Anliegen des Redners und die Schlussfolgerung, die der Zuhörer aus dem Gesagten zieht, in einer prägnanten Formulierung zusammen. In diesem Sinne ist beispielsweise Kennedys »Ish been ein Bearleener!« als Garantie für die Freiheit Berlins eine Botschaft. Den Botschaften liegen erfahrungsgemäß Begriffe, der Bedeutungen genau verstanden werden, und klar erkennbare Sprechakte zugrunde (bei Kennedy etwa: Bekenntnis, Versprechen oder Garantie).

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brevitas


lat. »Kürze«. Neben Klarheit, Richtigkeit, Schmuck und Angemessenheit eine wesentliche (Stil-)Forderung an die gute Rede. Vergleiche auch das Zitat von Marc Twain auf der Startseite.

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captatio benevolentiae


lat. »Gefangennahme des Wohlwollens.« Das Werben um die Gunst des Publikums mit bestimmten Redewendungen, häufig in der Einleitung. Daneben ist auch das »attentum parare«, das Gewinnen der Aufmerksamkeit, ein wichtiges Element der Einleitung.

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certum


(eingedeutscht auch: Zertum): zunächst die Gewissheit eines Redners, dann auch das Ziel, das er beim Zuhörer verfolgt, wenn er diesen von etwas überzeugen möchte: Der Zuhörer soll von einem Zustand des Zweifels (dubium) zu einem der Gewissheit geführt werden.

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delectare


lat. »erfreuen« - eines der drei Hauptziele (officia oratoris), die ein Redner mit seiner Rede anstreben soll, besonders wichtig bei der Festrede (genus demonstrativum / laudativum). Denn die Zuhörer wollen nicht nur belehrt oder zu etwas bewegt, sondern auch unterhalten werden.

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dispositio


Nach antiker Überzeugung die zweite Erarbeitungsphase bei der Vorbereitung einer Rede: die Gliederung des Redestoffs. Am bekanntesten ist die dreigliedrige Aufteilung in Einleitung - Hauptteil - Schluss. Ergiebiger sind funktionale Gliederungen wie Zustand - Ziel - Weg. Die weiteren Phasen siehe unter Redevorbereitung.

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docere


lat. »lehren, unterrichten« - eines der drei Hauptziele (officia oratoris), die ein Redner mit seiner Rede anstreben soll, besonders beim Sachvortrag. Ein Referent an der Hochschule oder in der Erwachsenenbildung wird, abgeleitet von diesem lat. Begriff, Dozent genannt.

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Du-Orientierung


Die Ausrichtung der Rede an den Zuhörern:
- Welche Voraussetzungen bringen die Zuhörer mit?
- Was interessiert sie?
- Was erwarten die Zuhörer bzw. was müssen sie wissen?
Diese Du-Orientierung ist eine wesentliche Konsequenz aus dem Aptum-Prinzip: Eine Rede kann nur angemessen sein, wenn sie sich am Zuhörer orientiert. Vgl. hierzu auch Aristoteles

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Gestik


Das »Reden mit den Händen«. Die Inhalte der Rede werden durch körpersprachliche Signale unterstrichen oder sogar betont. Wichtig ist, dass die Gesten von den Zuhörern verstanden werden, daher sollte Gestik so eindeutig und so langsam erfolgen, dass sie von allen Zuhörern wahrgenommen und interpretiert werden kann. Die Intensität der Gestik hängt von der Mentalität des Redners ab, kann aber auch trainiert werden.
Vergleiche Beispiele aus Referaten (Bsp.1 / Bsp.2) und Debatten (Bsp.3 / Bsp.4).

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Logik


Logik ist die Lehre von den Formen, Regeln und Verfahrensweisen des richtigen Denkens. Sie zeigt nicht, was man denken soll (Inhalt), sondern wie man beim Denken zu richtigen Ergebnissen gelangt (Methode). Eine logisch gültige Denkoperation ist beispielsweise der Syllogismus:
Alle Menschen sind sterblich.
Sokrates ist ein Mensch.
Also ist Sokrates sterblich.

Logische Argumentation ist zwar eine wesentliche Forderung an jede Rede; dabei darf aber nicht übersehen werden, dass es in der Redepraxis zumeist nicht um die logische Ableitung von Wahrheiten geht, sondern darum, den Zuhörer von Wahrscheinlichkeiten, die in der Zukunft liegen, zu überzeugen. Daher muss eine Argumentation mehr sein als nur logisch, denn was kontrovers ist, lässt sich als Entscheidung für die Zukunft meist nicht logisch ableiten. Etwas überspitzt formuliert: Was logisch abgeleitet werden kann, dürfte nicht mehr kontrovers und damit kein Streitpunkt mehr sein, der durch Rhetorik einer Entscheidung zugeführt werden kann.

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Manipulation


Überredung eines Menschen mit unredlichen und nicht durchschaubaren Mitteln zu Einsichten und Handlungen, die nicht im Interesse des Manipulierten liegen, sondern vorrangig dem Interesse des Manipulateurs dienen. Vgl. Überreden.

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Mimik


Gesichtsausdruck; Mimik bringt das eigene seelische Erleben, vor allem durch die Augen- und die Mundpartien, zum Ausdruck. Im Gegensatz zur Mimik der Schauspieler, die fremde Seelenzustände nachahmen, sollte die Mimik des Redners authentisch (echt, stimmig) sein.
Vergleiche auf der Startseite die erstaunte, fast schon empörte Mimik auf einen Einwand.

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movere


lat. »bewegen« - eines der drei Hauptziele (officia oratoris), das der Redner anstreben soll; bei der (politischen) Meinungsrede ist der »bewegende« Appell das wichtigste Ziel. (In K. Bühlers Organon-Modell entspricht das movere im Wesentlichen dem »Appell«.)

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Populismus


Redeweise, die auf berechnende und anbiedernde Weise die Zustimmung beim Zuhörer (populus = Volk) sucht, aber bei genauerem Nachdenken argumentativ nicht haltbar ist. Stammtischparolen (»Das ist wieder mal typisch für die da oben!«) und Sprechgesänge sind typische Beispiele populistischen Redens.

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Redepult


Gestell mit schräg liegender Platte, auf dem die Rednerin oder der Redner das Manuskript ablegt und auf das er/sie sich teilweise auch stützt.
Die antiken Redner standen übrigens frei auf einer Bühne, nicht hinter einem Redepult, da sie beim freien Sprechen keine Unterlage für das Manuskript benötigten und außerdem mit ihrer gesamten Körpersprache wahrgenommen werden wollten; zu diesem Zweck werden heute immer öfter transparente Redepulte eingesetzt. In Rhetorikkursen empfiehlt es sich, auch das freie Sprechen im Raum zu üben. Wer gelernt hat frei im Raum zu stehen, gewinnt Selbstsicherheit.

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Relevanz


Worum es im Kern geht; weshalb man überhaupt redet bzw. zuhört; wichtig im Sinne von »tua res agitur« (Um dich geht es, deine Angelegenheiten werden hier verhandelt).
Ein Vortrag kann verständlich, sachlich zutreffend und wahr sein, für die Zuhörer aber nicht interessant oder im Hinblick auf die Fragestellung nicht hilfreich: in diesem Fall fehlt die Relevanz.

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Sach-Orientierung


Die Ausrichtung der Rede an der »Sache«, an den Daten, Fakten und Zusammenhängen, die sich aus dem Thema ergeben.
Die einseitige Sachorientierung (Inaptum) überfordert meist die Zuhörer und lässt die Rede zu lang werden. Da der Redner zwischen den in seinem Bewusstsein präsenten Inhalten des Themas und dem Bewusstsein des Zuhörers vermittelt, besteht ein Spannungsfeld zwischen Sache und Du. Ein guter Redner begreift das Spannungsfeld zwischen Sach- und Du-Orientierung als besondere rhetorische Herausforderung und als Erfüllung des Aptum-Prinzips.

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(Gezielter) Schluss-Satz (auch: Zielsatz)


Der letzte Satz (mitunter auch Absatz) einer Rede, der durch eine prägnante, auf Wirkung bedachte Formulierung und eine besondere Stimmführung signalisiert, dass die Rede mit diesem Satz zu Ende geht. Im Zielsatz werden Wortwahl und Satzbau besonders sorgfältig auf Wirkung und Einprägsamkeit hin konstruiert, dann durch Intonation, Pausentechnik und Sprechtempo (zumeist Ritardando-Technik) besonders sinnfällig zum Ausdruck gebracht. Inhaltlich kann der Zielsatz die Botschaft der Rede enthalten oder eine besondere Beziehung zum Zuhörer zum Ausdruck bringen. Beides trifft beispielsweise zu auf Kennedys berühmten Zielsatz 1963 in Berlin: »Ish bin ein Bearleener!« (Vgl. hierzu weitere Zielsätze!)
Ein geschickt gesetzter Schluss-Satz ersetzt Verlegenheitsformeln wie »Danke für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit!« oder ähnliche Floskeln und bringt eine wesentliche Aussage nochmals in einer einprägsamen Formulierung auf den Punkt.

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Septem artes liberales


Die »Sieben freien Künste«; seit der Spätantike für das gesamte Mittelalter gültiger Fächerkanon, der die drei sprachlichen Fächer Grammatik, Rhetorik und Dialektik (Trivium) sowie die vier mathematischen Fächer Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik (Quadrivium) umfasste. Die Rhetorik gilt seit jeher als die »Königin« dieser Wissenschaften, da sie von grundlegender und zentraler Bedeutung für die anderen Wissenschaften ist, wenn es darum geht, sich verständlich zu machen und zu verstehen.

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Sprechakt


Was jemand tut, indem er etwas sagt. Sprechakte sind beispielsweise Informieren, Loben, Kritisieren, Rechtfertigen, Auffordern oder Zurückweisen. Die Auswahl der Sprechakte hängt von der Redegattung, dem Thema, der Absicht bzw. Redestrategie des Redners ab; sie sollte der rhetorischen Situation angemessen sein.

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Stil der Rede


Die Art und Weise, wie eine Rede formuliert wird. Stil setzt voraus, dass der Redner bewusst oder unbewusst zwischen Formulierungsvarianten wählen kann. Der Stil einer Rede wird durch vier Faktoren beeinflusst:
1. Persönlichkeit des Redners,
2. Redegattung (Thema und zentrale Aussage),
3. Zielgruppe und
4. rhetorische Situation.
Unabhängig von diesen Variabeln ist guter Stil immer verständlich und auf Wirkung bedacht, niemals langweilig.

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Struktur


Nicht die Inhalte selbst, sondern die Beziehung zwischen den Inhalten, rhetorisch umgesetzt durch die Gliederung (Grobstruktur) und die Argumentation (Feinstruktur). Die Struktur ist auf das Redeziel hin ausgerichtet, daher muss sie nicht sachlogischen Überlegungen (z. B. Chronologie) folgen.

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tua res agitur


lat. »Deine Sache wird (hier) verhandelt.« Meist in der Einleitung die Ankündigung, dass es bei der Rede um die Angelegenheiten, Interessen und Betroffenheiten des Zuhörers geht - aus rhetorischer Sicht eigentlich eine Selbstverständlichkeit! Bei Carlo Schmid findet sich die Variante: »Nostra res agitur«; auch: »tua fabula agitur«.

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Überreden / Überzeugen


Überreden und Überzeugen sind zwei Sprechakte, die eine Meinungsänderung beim Zuhörer bewirken. Beide Begriffe müssen klar unterschieden werden, um redliche und unredliche Argumentationsweisen voneinander abgrenzen zu können.
Überreden wird der Sprechakt genannt, bei dem der Zuhörer nicht durch sachorientierte Argumentation, sondern durch psychologische Taktik zu einer Einsicht gebracht werden soll.
Überzeugen ist der Sprechakt, der den Zuhörer ernst nimmt und darauf abzielt, diesem durch logische, ethische und plausible Argumentation zu einer neuen Einsicht zu führen. Wer wirklich überzeugen will, muss gegebenenfalls auch akzeptieren, dass der Zuhörer bei seiner Überzeugung bleibt oder zu einer anderen (als der vom Redner beabsichtigten) Überzeugung gelangt.

Der Fachbegriff für Überzeugen und Überreden ist »Persuasion«, als zentrales Anliegen der Rhetorik meint Persuasion zweierlei: einerseits die kalkulierte Handlung des Redners, der im Hinblick auf den Zuhörer ein Ziel erfolgt, andererseits das Ergebnis beim Zuhörer, also das Erreichen dieses Ziels.
Ein persuasiver Akt ist geglückt, wenn ein mentaler Wechsel von A zu B beim Zuhörer offenkundig geworden ist, wenn der Redner beim Zuhörer Ungewissheit oder Zweifel in Gewissheit verwandelt hat. Verändert wird (kurzfristig) die Meinung oder (längerfristig) die Einstellung, im weitestgehenden Fall das Verhalten (Aufbruch zum Kreuzzug, Kauf eines Produkts, Wahl einer Partei usw.).
Bei der Persuasion muss im Sinne einer Strategie bedacht werden, wie der mentale Widerstand des Zuhörers überwunden werden kann; dies geschieht in der Argumentation durch Rückgriff auf Gemeinsamkeiten, aber auch durch die Glaubwürdigkeit des Redners und durch sein Sprechverhalten.

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Visualisierung


Das »Sichtbar-Machen« von (meist abstrakten oder komplizierten) Inhalten. Durch Visualierungen wird in Reden die akustische durch die optische Wahrnehmung sinnvoll ergänzt. Dies kann durch unterschiedliche Präsentationstechniken geschehen.

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(Bezug auf) Vorredner


Im Verlauf einer Diskussion ein geeignetes Mittel, um Gemeinsamkeiten herzustellen oder um auf Gegensätze aufmerksam zu machen; mitunter auch ein günstiger Anknüpfungspunkt für den eigenen Redebeitrag. Günstig für eine gute Gesprächskultur sind darüber hinaus das Einbeziehen der Zuhörer, der Bezug auf andere oder das Ankündigen anderer Redner.

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Wahrhaftigkeit


Was subjektiv und mit ehrlicher Überzeugung im Augenblick als wahr empfunden wird. Diese »subjektive Wahrheit« kann sich ändern oder objektiv gesehen falsch sein. Wahrhaftigkeit ist eine wesentliche Erwartung, die der Zuhörer an den Redner stellen darf und die er im Hinblick auf seine Glaubwürdigkeit auch zu erfüllen hat.

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Zuhörer


Nach Aristoteles das Ziel des Rede und der Maßstab für ihren Erfolg. Nach rhetorischer Erfahrung ist für den Redeerfolg nicht entscheidend, ob ein Vortrag verständlich, wahr oder sachlich richtig ist, sondern ob er für den Zuhörer verständlich und plausibel ist und ob der Zuhörer von den Inhalten überzeugt ist. Diese Ausrichtung auf den Zuhörer wird auch - vereinfachend - Du-Orientierung genannt.



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