Welche rhetorischen Kompetenzen

können in der Schule gefördert werden?

Rhetorik ist allgegenwärtig: nicht nur in Alltag und Beruf, nicht nur an den Universitäten, sondern auch in der Schule. Denn Rhetorik spielt eine zentrale Rolle, wenn wir uns verständlich machen, aber auch, wenn wir verstehen wollen. Da Rhetorik kein eigens ausgewiesenes Schulfach ist, stellt sich zunächst die Frage, wo Schülerinnen und Schüler rhetorische Kompetenzen erwerben können.

Das geschieht meist im Deutschunterricht, das als Leitfach für den Erwerb rhetorischer Fähigkeiten gilt. Ergänzend wird rhetorisches Können in allen Fächern vermittelt, in denen Referate und mündliche Prüfungen, Diskussionen und Debatten sowie Gruppenarbeit mit Präsentation der Arbeitsergebnisse eine Rolle spielen. Wichtig ist dabei, dass Bewertungskriterien bekannt gegeben werden und dass die Referenten ein Feedback für ihre rhetorische Leistung erhalten. Daneben kann Rhetorik gezielt auch in Rhetorik-AGs oder durch die Teilnahme an »Jugend debattiert« bzw. am »Debating« vermittelt werden.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, welche rhetorischen Fähigkeiten denn in der Schule erlernt werden können. Wenn Rhetorik im Folgenden in fünf Kompetenzbereiche aufgeteilt wird, so dient dies lediglich der übersichtlicheren Darstellung und der differenzierteren Betrachtungsweise. Denn immer zielt Rhetorik auf den ganzen Menschen: Sie stellt ein ganzheitliches Bildungs- und Entwicklungsprogramm dar; eine Verkürzung der Rhetorik auf isolierte »Techniken« wäre nicht im Sinne dieser Konzeption.

1. Grundfähigkeiten: Öffentlich werden als Person und Redner

w   z. B. Redeauftritt (Stehen vor anderen): Standort einnehmen, im Raum orientieren, Kontakt aufnehmen, aus der Ruhe heraus anfangen;

w   z. B. durch intensiven Blickkontakt eine Beziehung zum Auditorium herstellen;

w   z. B. die Zielsatz-Technik (Technik des gezielten Schluss-Satzes) anwenden;

 

2. Techniken in der Einzelrede

w   z. B. Reden zeitökonomisch vorbereiten

w   z. B. Referate verständlich halten

w   z. B. sinnvolle Visualisierungen einsetzen

 

3. Techniken im Gespräch

w   z. B. Gesprächsfähigkeit durch Anknüpfung (aktives Zuhören)

w   z. B. durch Debatten Entscheidungen herbeiführen

w   z. B. zielgerichtet diskutieren

 

4. Psycho-soz. Techniken: Achtsamer Umgang mit sich u. anderen

w   z. B. Lampenfieber bewältigen

w   z. B. Feedback geben

w   z. B. problematische Gesprächssituationen durchschauen

 

5. Theoretische Kenntnisse und Einsichten: Angemessenheit

w   z. B. Redner – Thema – Zuhörer (rhetorische Situation)

w   z. B. Überzeugungsmittel

w   z. B. Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit

 

Ausführlich im dritten Kapitel von: Praktische Rhetorik (Didaktik, S. 46-47).