Klare Botschaften
Wer sich den
beabsichtigten
Sprechakt klar
vor Augen
führt,
hat es
in Reden
und Gesprächen
leichter,
unmissverständliche
Botschaften
zu senden.











Zur ...
Startseite

Wenn ein Gesprächspartner klar erkennt, welcher Sprechakt (vgl. Lexikon) vorliegt, hat er auch die Botschaft des Sprechers verstanden. Die Botschaft lässt sich - prägnant formuliert wie die Schlagzeile einer Zeitungsmeldung - oft sogar in einem (Kurz-)Satz formulieren. In den folgenden Redeausschnitten werden Botschaften formuliert, die auf klare Sprechakte zurückgeführt werden können:

Friedrich Schiller: Ein edles Verlangen muss in uns entglühen, zu dem reichen Vermächtnis von Wahrheit, Sittlichkeit und Freiheit, das wir von der Vorwelt überkamen und reich und vermehrt an die Folgewelt wieder abgeben müssen, auch aus unsern Mitteln einen Betrag zu legen und an dieser unvergänglichen Kette, die durch alle Menschengeschlechter sich windet, unser fliehendes Dasein zu befestigen. Wie verschieden auch die Bestimmung sei, die in der bürgerlichen Gesellschaft Sie erwartet - etwas dazusteuern können Sie alle!

   
Schillers Botschaft?

Robert Havemann: Wir werden die Engherzigkeit und Unfruchtbarkeit im Bereich der Philosophie überwinden, sobald auch unsere Philosophen es als das größte Glück empfinden werden, wenn in der Wirklichkeit etwas entdeckt wird, das unvereinbar ist mit ihren bisherigen Ansichten.

   Havemanns Botschaft?

Richard v. Weizsäcker: Gewaltverzicht heute heißt, den Menschen dort, wo sie das Schicksal nach dem 8. Mai (1945) hingetrieben hat und wo sie nun seit Jahrzehnten leben, eine dauerhafte, politisch unangefochtene Sicherheit für die Zukunft zu geben. Es heißt, den widerstreitenden Rechtsansprüchen das Verständigungsgebot überzuordnen.

   Weizsäckers Botschaft?


Nicht nur in den großen Reden, sondern auch in der Alltagsargumentation lassen sich Botschaften herauskristallisieren; den folgenden Entschuldigungen liegt jeweils ein anderer Sprechakt zugrunde. Klicken Sie auf die Links, wenn Sie Ihr Verständnis mit der beabsichtigten Botschaft vergleichen wollen.

  • »Sorry, Mann, tut mir echt Leid!«
       Sprechakt/Botschaft?

  • »Ich entschuldige mich in aller Form für meine Bemerkung. Dies hätte ich so nicht formulieren sollen.
        Es war ein Fehler und ich kann nur hoffen, dass du meine Entschuldigung annimmst.«

       Sprechakt/Botschaft?

  • »Es tut mir Leid, dass du gestern Ärger gehabt hast. Das hab ich so nicht gewollt.«
       Sprechakt/Botschaft?

  • »Es tut mir Leid, dass du dich geärgert hast. Aber nimm solche flapsigen Äußerungen
       doch einfach nicht immer so ernst.«

       Sprechakt/Botschaft?









































    »Sorry, Mann, tut mir echt Leid!«



    Diese Entschuldigung wird durch die flapsige Formulierung stark abgeschwächt.

    Der Sprechakt: Abschwächung

    Die Botschaft: Keine echte Entschuldigung




    Zurück zum
    Seitenbeginn






























    »Ich entschuldige mich in aller Form für meine gestrige Bemerkung. Dies hätte ich so nicht formulieren sollen. Es war ein Fehler und ich kann nur hoffen, dass du meine Entschuldigung annimmst.«



    Diese Entschuldigung ist vollständig vollzogen, denn hier wird ausdrücklich gesagt, wer sich wofür entschuldigt.
    (Allerdings wirkt die Formulierung so steif, dass sie auch als Ironie verstanden werden könnte.)

    Der Sprechakt: Entschuldigung

    Die Botschaft: Ich meine es ernst. Es tut mir aufrichtig Leid.




    Zurück zum
    Seitenbeginn






























    »Es tut mir Leid, dass du gestern Ärger gehabt hast. Das hab ich so nicht gewollt.«



    Diese Entschuldigung wirkt unecht, denn nicht das eigene Verhalten, sondern die Betroffenheit bzw. Reaktion des anderern wird thematisiert.

    Der Sprechakt: Ablenkung

    Die Botschaft: Ich zeige mein Mitgefühl für etwas, was ich nicht verursacht habe.



    Zurück zum
    Seitenbeginn

























    »Es tut mir Leid, dass du dich geärgert hast. Aber nimm solche flapsigen Äußerungen doch einfach nicht immer so ernst.«



    Diese Entschuldigung wirkt unecht, denn nicht das eigene Verhalten, sondern die Betroffenheit bzw. Reaktion des anderern wird thematisiert.

    Der Sprechakt: Angriff, Kritik am anderen, Schuldzuweisung

    Die Botschaft: Sei nicht so empfindlich!






























    Mit hohem Pathos versucht Friedrich Schiller 1789 in seiner Antrittsvorlesung als Professor für Geschichte die Studenten für das Studium der Weltgeschichte zu motivieren und zu begeistern. Seine Botschaft: Jeder kann durch die Beschäftigung mit Geschichte beitragen zu einer menschlicheren und freiheitlicheren Gesellschaft!





    Zurück zum
    Seitenbeginn
































    Robert Havemann provoziert in seiner Rede 1962 nicht nur die Philosophen, sondern alle kritischen Menschen zur Aufgabe dogmatischer Inhalte. Seine Botschaft: Weg mit jedem Dogmatismus!




    Zurück zum
    Seitenbeginn
































    Indem Richard von Weizsäcker in seiner Rede von 1985 die Rechtsansprüche relativiert und dem Verständigungsgebot unterordnet, erkennt der CDU-Politiker nachträglich die neue Ostpolitik der SPD an. Seine Botschaft: Ja zur Ostpolitik Willy Brandts!




    Zurück zum
    Seitenbeginn
































    Zurück zum
    Seitenbeginn