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Stephan Gora: Ausbildung zum Rhetoriktrainer | |
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»He who can does, he who cannot teaches.« (G. B. Shaw) And he who cannot teach teaches teachers? Zur ... Startseite Die Übung soll sein, wie es die Praxis verlangt. (In Anlehnung an Quintilian) |
Vom Lehrer zum Rhetoriktrainer war es für mich ein langer Weg - obwohl Lehrer eigentlich die wesentlichen rhetorischen Kompetenzen mitbringen sollten. Eine günstige Voraussetzung sehe ich rückblickend in meiner Lust am Argumentieren. Ausreichend Gelegenheit dazu hatte ich in Diskussionen und Debatten in Elternhaus, Schule und Jugendzentrum; gelegentlich darf ich diese heute noch ausleben: im Unterricht, in Konferenzen oder Besprechungen - wenn die Gesprächspartner ebenfalls »Streit-Lust« verspüren, dauern die Sitzungen mitunter etwas länger! Eine zweite Voraussetzung bildet mein Beruf mit den Fächern Deutsch, Geschichte und Ethik, die zum Diskutieren und Argumentieren einladen; außerdem habe ich es seit dem Studium immer als eine spannende Herausforderung empfunden, Referate und Vorträge zu halten: Wie wecke ich Interesse für mein Thema? Wie reagiere ich auf Zwischenfragen und Unmutsäußerungen? Wie kann ich andere von meinem Anliegen überzeugen? Das meiste habe ich vermutlich nach dem Prinzip »Learning by teaching« gelernt. Meine ersten Rhetorikkurse leitete ich nach dem Studium bei Volkshochschulen, kirchlichen Einrichtungen und beim Bundesamt für den Zivildienst. Am »Solitude-Gymnasium« erhielt ich 1983 die Chance, eine Rhetorik-AG zu organisieren - an Schulen damals eine Seltenheit! Dank dieser ersten Kurse konnte ich einige Erfahrung einbringen, als ich 1987 die ersten Rhetorikkurse für Referendare und 1990 meine erste Lehrerfortbildung in Rhetorik leiten durfte. Einiges habe ich inzwischen durch die Lektüre rhetorischer Literatur gelernt; vor allem weitergebracht hat mich aber die praktische Rhetorik: die Entwicklung unterschiedlicher Kursmodelle (vgl. Konzeption und Menschenbild), das Anfertigen eigener Rhetorikmaterialien für die Kursteilnehmer und das Schreiben über rhetorische Themen (Veröffentlichungen). Nicht zu unterschätzen ist das Lernen durch Beobachtung: unvergesslich Willy Brandt und Helmut Kohl vor dem Goldschmiedehaus in meiner Heimatstadt Hanau, später Helmut Schmidt und Walter Jens in Esslingen, Guido Westerwelle und Frank-Walter Steinmeier in Schwäbisch Gmünd oder - medial vermittelt, darum nicht weniger beeindruckend - Richard v. Weizsäcker und Joschka Fischer. Übrigens kann man auch von schwachen Rednerinnen und Rednern lernen - die abschreckenden Beispiele nenne ich aber nicht! Zwar vertrete ich vor allem die praktische Rhetorik, aber auch die Konzepte anderer Redetrainer sowie einige theoretische Positionen der Tübinger Rhetorik haben mir wichtige Denkanstöße gegeben: (2007-2009 bei Prof. G. Ueding, Dr. O. Kramer und Prof. J. Knape) Rhetorikkurse müssen von den Erfahrungen der Praxis ausgehen und durch gezielte Übungen auf die konkrete »rhetorische Situation« vorbereiten. Da Rhetorik meist auf eine Veränderung der Situation abzielt, müssen sie den Teilnehmern Perspektiven eröffnen und Horizonte erweitern, sie müssen die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen der Rhetorik bewusst machen; vor allem müssen sie dem Redner eine ethische Orientierung bieten! Eine Didaktik und Methodik der Rhetorik, der es nicht um isolierte Techniken, sondern um ein ganzheitliches Verständnis von Kommunikation geht, habe ich 2010 unter dem Titel »Praktische Rhetorik« veröffentlicht; darin wird auch mein Pentagon der Rhetorik vorgestellt. |