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Augustinus
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»In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.« (Augustinus) Zur ... Startseite Zurück zur ... Startseite Zurück zur ... Startseite |
Kann es für einen Redner (Prediger) eine größere Herausforderung geben, als seine Zuhörer zum Glauben zu bekehren, bei diesen also fest eingewurzelte Überzeugungen in Frage zu stellen und durch ein neue Lehre zu ersetzen?
Indem Augustinus die antike Rhetorik von Aristoteles bis Quintilian aufarbeitet, diese aber auf Inhalte der christlichen Lehre bezieht, prägt Augustinus weit über das Mittelalter hinaus die Kirchen- und Geistesgeschichte sowie die rhetorische Tradition bis zur Gegenwart. So formulierte beispielsweise Oskar Lafontaine 1995 seine Botschaft an den SPD-Parteitag mit Worten, die an Augustinus erinnern: »Ihr seht also, liebe Genossinnen und Genossen, (...) es gibt noch Politikentwürfe, für die wir uns begeistern können. Wenn wir selbst begeistert sind, können wir auch andere begeistern. In diesem Sinne: Glück auf!« 354 nach Chr. in der römischen Provinz in Nordafrika geboren studierte Aurelius Augustinus zunächst Literatur und Rhetorik. Als Zwanzigjähriger kam er über Rom nach Mailand, um dort am römischen Kaiserhof als Rhetoriklehrer, Redenschreiber und Regierungssprecher tätig zu werden. Trotz des starken Einflusses seiner Mutter Monika, einer engagierten Christin und späteren Heiligen, hielt Augustinus zunächst nicht viel vom Christentum, führte statt dessen ein zügelloses Leben mit sexuellen Ausschweifungen, von dem er später freimütig in seinen »Bekenntnissen« berichtet. Durch die Begegnung mit Ambrosius, intensive Studien und Diskussionen mit Freunden bzw. mit seiner Mutter sowie durch eine religiöse Eingebung (»Gartenszene«) ließ er sich bekehren und in der Osternacht 387 von Ambrosius taufen. Sein Amt am Kaiserhof und den Lehrstuhl der Rhetorik hatte er zuvor aufgegeben. Nach weiteren Studien in Nordafrika empfing er 391 die Priesterweihe, von 395 bis zu seinem Tod im Jahre 430 war er Bischof in Hippo regius. Vom Leben in klösterlichen Gemeinschaften überzeugt, verfasste er die Mönchsregel der Augustiner. Erhalten sind von ihm etwa 400 Predigten (Sermones). Kirchenvater und Heiliger wurde er aufgrund seiner Schriften, die weit über das Mittelalter hinaus die abendländische Geistes- und Kirchengeschichte geprägt haben, darunter seine »Bekenntnisse« (Confessiones), der »Gottesstaat« (De civitate dei) und »Über die christliche Lehre« (De doctrina christiana), dessen viertes Buch als Grundstein der Predigtlehre gilt und aus dem hier einige Passagen vorgestellt werden. Grundsätzlich stellt sich Augustinus in seiner Schrift die Frage, ob man überhaupt mit rhetorischen Mitteln andere überzeugen darf, da Rhetorik ja auch missbraucht werden kann für schlechte Zwecke. »Die Rhetorik sieht ihre Kunst darin, jemandem eine feste Überzeugung nicht bloß vom Wahren, sondern sogar auch vom Falschen beizubringen: Wer wagte demnach die Behauptung, die Wahrheit müsse in ihren Verteidigern gegen die Lüge unbewaffnet sein? (...) Wer ist so töricht, eine solche Forderung zu ersinnen? Da also die Gabe der Rede an sich etwas Neutrales ist und zur Überredung sowohl zu guten als auch zu schlechten Dingen viel vermag, warum soll sie dann von (...) Guten nicht zu dem Zwecke erworben werden, um der Wahrheit Dienste zu leisten, während sie doch auf der anderen Seite schlechte Menschen zur Stütze verkehrter und nichtiger Dinge, zum Gebrauch der Ungerechtigkeit und des Irrtums missbrauchen?« Wie schon Aristoteles, Cicero und Quintilian so orientiert sich auch Augustinus in seiner Rhetorik ganz an den Zuhörern: »Darum dürfen die Erklärer jener kirchlichen Schriftsteller auch nicht so sprechen, als wollten sie selbst als Männer von ähnlicher Geltung erst wieder erklärt werden, sondern sie haben sich in ihren Reden in erster Linie und im höchsten Grade zu bemühen, dass sie verstanden werden. Daher müssen sie mit möglichster Klarheit reden, damit nur ein wirklich langsamer Kopf sie nicht verstehe oder damit der Grund, warum unsere Worte weniger oder langsamer verstanden werden können, tatsächlich nur in der Schwierigkeit und Feinheit der Dinge gelegen ist, die wir erörtern und zeigen wollen, nicht aber in unserer Ausdrucksweise. (...) Aber nicht bloß bei Unterredungen mit Einzelnen oder mit mehreren, sondern in noch viel höherem Grade in einer Rede ans Volk haben wir das Ziel anzustreben, verstanden zu werden. Denn bei Unterredungen hat jeder die Möglichkeit zu fragen; wenn aber alle schweigen, um den einen Redner zu hören, wenn aller Blicke auf diesen einen gerichtet sind, dann ist es weder gebräuchlich noch schicklich, darüber eine Frage zu stellen, was ein Einzelner etwa nicht verstanden hat: Darum muss hier die Sorgfalt des Redners dem schweigenden Zuhörer ganz besonders zu Hilfe kommen.« Doch genügt es nicht, verständlich und du-orientiert zu sprechen. Mit einem Vergleich macht Augustinus deutlich, dass zum reinen Informationsgehalt einer Rede / Predigt auch die rhetorische Ausgestaltung gehört, die umgekehrt aber niemals nur Selbstzweck sein darf: »Denn was nützt ein goldener Schlüssel, wenn er nicht öffnen kann, was wir wollen; was schadet aber ein bloß hölzerner, wenn er das kann? Wir wollen ja doch nichts anders als nur, dass überhaupt offen sei, was verschlossen war. Weil aber zwischen Essen und Lernen eine gewisse Ähnlichkeit besteht, so müssen wegen des Ekels, den sonst sehr viele empfinden würden, selbst die notwendigsten Nahrungsmittel gewürzt werden.« Unter Berufung auf Cicero führt Augustinus aus, dass die Rede nicht nur informieren, sondern auch unterhalten und die Zuhörer rühren bzw. bewegen solle. »Ein beredter Mann hat die wahren Worte gesprochen, der Redner müsse so sprechen, dass er belehre, ergötze und rühre. Er fügt dann bei: Wie kann man in seinen rhetorischen Fähigkeiten rascher Fortschritte erzielen - durch theoretische Unterweisung oder durch das Hören und Imitieren guter Redner? Auch hierauf gibt Augustinus eine eindeutige Antwort: »Wer aber nicht bloß weise, sondern auch beredt sprechen will, weil er in der Tat mehr nützen wird, wenn er beides kann, den weise ich an, viel lieber gleich beredte Männer zu lesen oder zu hören und sie dann durch eigene Übung nachzuahmen, als sich lange mit Lehrern der Rhetorik zu beschäftigen.« Im Hinblick auf die schlecht ausgebildeten Prediger seiner Zeit stellt sich Augustinus die Frage, ob es nicht legitim sei, nach vorgefertigten Mustern vor der Gemeinde zu sprechen: »Es gibt Leute, die zwar einen guten Vortrag haben, die aber nicht imstande sind, den Stoff ihres Vortrages selber auszuarbeiten. Wenn nun solche etwas hernehmen, was von anderen weise und beredt geschrieben worden ist, dieses dann auswendig lernen und dem Volke vortragen, so handeln sie nicht ruchlos (...). Man braucht sich dabei auch nicht durch einen Ausspruch des Jeremias abschrecken lassen; durch diesen Propheten tadelt Gott nämlich jene, Mit einem Augenzwinkern rechtfertigt Augustinus so die Verwendung von Musterpredigten. Seine Begründung macht indes deutlich: Die Verwendung von Musterreden, wie sie heutzutage in der Ratgeberliteratur für alle möglichen Anlässe angeboten werden, hätte er sicherlich nicht gebilligt. |